Schärfe – allgemein, relativ und subjektiv

Datum: 09.04.2003 Uhrzeit: 8:06:57 Thomas Grill Also gut, wir hatten die Auseinandersetzungen über unscharfe Bilder und Kameras hier schon zur Genüge, und auch anderswo beschäftigt man sich offenbar intensiv mit diesem Problem. Das nehme ich jetzt mal zum Anlaß, hier eine Theorie” über Schärfe allgemein zur Disposition zu stellen: Schärfe ist kein physikalisches Phänomen sondern der subjektive Eindruck den das Auge dem Gehirn vermittelt. Man muß das wissen um nicht aneinander vorbeizureden. Das Problem ist nicht zu wissen wann ein Bild scharf ist – sondern zu wissen warum es unscharf ist. Es gibt unzählige Mö¶glichkeiten zu unscharfen Bildern zu kommen und viele Leute nützen sogar mehrere davon gleichzeitig: Falsche Fokussierung falsche Einschätzung der Schärfentiefe falsche Einschätzung hinsichtlich des Leistungsvermö¶gens von Objektiv bzw. Kamera Verwacklung Bewegungsunschärfe Beugungsunschärfe durch zu starkes Abblenden… habe ich noch was vergessen? Ja – ich setze wahnwitzigerweise einfach mal voraus dass die verwendete Kamera nicht kaputt oder dejustiert ist. Gehen wir im folgenden davon aus dass perfekt fokussiert wurde und jede Verwacklung sowie alle anderen Bedienungsfehler ausgeschaltet sind dann wird ein Bild mit hohen Kontrasten (Sonnenschein) trotzdem immer schärfer erscheinen als ein Bild vom selben Motiv bei diffusem Licht oder in der Dämmerung. Desgleichen wird ein Foto mit wenigen klaren Linien als schärfer empfunden werden als ein Chaos von Details. Das Auge krallt sich gerne an Konturen fest. Ein Fachwerkhaus bietet ihm mehr als ein Haufen Wolle – auch wenn eine Labormessung keine Unterschiede ergeben würde. Wenn man es stark vergrö¶ßert dann wird jedes Foto früher oder später unscharf weil Objektiv/Film/Chip keine Details mehr auflö¶sen kö¶nnen. Aber umgekehrt bedeutet das natürlich auch dass man mit KB/5-6Mpix-Digi keine Großformat-Detailauflö¶sung erreichen kann (Wer kennt sie nicht die bunten Kalender von der Tankstelle?) selbst wenn man dies will oder glaubt es zu kö¶nnen. Mit anderen Worten: Ein Foto mit vielen Einzelheiten z.b. ein bloßes Rapsfeld wird vermutlich enttäuschen wobei die Großaufnahme eines Lö¶wenkopfes (z.B.) immer beeindruckend scharf erscheinen wird selbst wenn die einzelnen Fellhaare nicht aufgelö¶st werden kö¶nnen. Stellst du aber eine Person (oder von mir aus auch den Lö¶wen) ins Rapsfeld dann kann die Sache ganz anders aussehen – weil dann niemand mehr auf den Raps achten wird. Also… wenn du scharfe Bilder willst dann geh ran ans Motiv – und weniger ist oft mehr. Bei einem Portrait müssen die Augen gestochen scharf sein der Mund hinreichend scharf mehr interessiert nicht und kö¶nnte sogar stö¶rend wirken (vor allem Frauen wissen dermatologisch genaue Abbildungen ihres Gesichts nicht wirklich zu schätzen). Spitzlichter täuschen Schärfe und Brillanz vor wohingegen unterbelichtete Bilder oft als unscharf empfunden werden – auch wenn sie es objektiv gar nicht sind. Und noch was: Wenn dein Foto interessant ist fragt niemand nach der Schärfe (es sei denn du stellst das Bild in einem Fotoclub oder Fotoforum zur Diskussion). Ich hoffe das hat jetzt nicht zu sehr gelangweilt – aber ich wollte einfach mal den Versuch machen wieder über was anderes zu diskutieren als über nicht kompatible und nicht vergleichbare Kamerasysteme. thms posted via http://oly-e.de” —————————————————————————————————————————————— Datum: 09.04.2003 Uhrzeit: 13:28:43 Günther G. Ein langer Artikel mit vielen interessanten Überlegungen. Ich bin auch ein Liebhaber von scharfen Aufnahmen,denn unscharf machen kann ich dann am PC all die Dinge,welche ich für weniger wichtig halte – umgekehrt ist es meist zu spät.So gesehen gibt es meines Erachtens kein Mittelding zwischen scharf und unscharf. Günther G. — posted via http://oly-e.de —————————————————————————————————————————————— Datum: 09.04.2003 Uhrzeit: 13:28:43 Günther G. Ein langer Artikel mit vielen interessanten Überlegungen. Ich bin auch ein Liebhaber von scharfen Aufnahmen,denn unscharf machen kann ich dann am PC all die Dinge,welche ich für weniger wichtig halte – umgekehrt ist es meist zu spät.So gesehen gibt es meines Erachtens kein Mittelding zwischen scharf und unscharf. Günther G. — posted via http://oly-e.de —————————————————————————————————————————————— Datum: 09.04.2003 Uhrzeit: 17:17:05 Sebastian Agerer Andy” schrieb > […] heute nehmen wir einen mö¶glichts großen (21″ sollten es > ja nun wenigstens sein) Bildschirm und blasen das Bild auf bis wir > jede Hautpore sehen und schon schreien die ersten los: die Kamera > macht keine scharfen Fotos! – Da sind wir aber schon bei > Postergrö¶ße angelangt und wie viele unserer alten analogen Fotos > kö¶nnte man wohl soweit vergrö¶ßern….? Hallo Andy genau darin liegt unser – auch mein – Fehler! Ich hab mit Digis von 3 bis 5 Megapixel fotografiert und noch NIE Unschärfe oder Rauschen bei den Abzügen bis 30x.40 cm festgestellt. — Schö¶ne Grüße Sebastian Homepage: http://agerer.bei.t-online.de/fototest.htm” —————————————————————————————————————————————— Datum: 09.04.2003 Uhrzeit: 22:39:45 Agathe Tontsch Gutes Thema, es gibt Leute die alles absolut scharf abgebildet wollen, andere gestalten damit. Ich hatte mich damit am Sonntag Abend auch intensiv beschäftigt. Ich stelle mal 2 Bilder vom Mannheimer Galopprennen in die Galerie (freestyle). Scharf oder unscharf? ist hier die Frage oder die Absicht? Gruß Agathe — posted via http://oly-e.de —————————————————————————————————————————————— Datum: 10.04.2003 Uhrzeit: 7:03:05 Thomas Grill Agathe Tontsch schrieb: > Ich hatte mich damit am Sonntag Abend auch intensiv beschäftigt. > Ich stelle mal 2 Bilder vom Mannheimer Galopprennen in die > Galerie (freestyle). > Scharf oder unscharf? ist hier die Frage oder die Absicht? > Gruß > Agathe Ein wunderbares Beispiel. Schärfe. Nicht entweder-Oder, sondern sowohl-als auch. Danke. Gruß, thms — posted via http://oly-e.de —————————————————————————————————————————————— Datum: 01.11.2004 Uhrzeit: 18:14:53 Andy Hi Robert, > Vielleicht noch drei kleine Ergänzungen. Es gibt schon auch > Objektive, die zwar hoch auflö¶sen, aber nicht scharf sind. ähm – jain. Eigentlich ist scharf” eben ein “gute Auflö¶sung”. Als scharf sehen wir an was viele vor allem kleine Details wiedergibt. Also hohe Auflö¶sung. Diese muß aber nicht über alle Blenden gleich sein daß sieht man auch oft im Offenblendenbereich wenn ansonsten supergute Objektive ab einer bestimten Blende einfach “weicher” werden. Jetzt müßte Klaus wieder einspringen aber ich glaube das liegt dann einfach daran daß dann die Lichtstrahlen schlicht “zerstreut” werden – Klaus? Ich glaube diesen Effekt meinst Du. > Dass die Digitalkamera überhaupt eine interne in der Regel > einstellbare Nachschärfung hat hat ja aber andere Gründe – um > bestimmte durch die digitale Sensortechnik bedingte > Abbildungsfehler vor allem Moirö©effekte zu vermeiden die es beim > chemischen Film so nicht gibt steckt ja hinter ein dem Sensor > zunächst einmal ein Filter der mit Unschärfe arbeitet. ähm – nein! Das dies vielleicht bei manchen (billigen) Kameras so gemacht wird kann ja sein. Aber der eigentliche Grund für das Nachschärfen ist bei Klausens Posting nachzulesen. D.h. aber auch: die SD9/10 haben das grundsätzlich nicht nö¶tig… (erst wenn man dann ein 9Mpix-Bild draus machen will…) > Und mit dem Schärfeeindruck ist das auch so eine Sache da spielt > nicht nur das Auge eine Rolle sondern auch die Wahrnehmung des > Betrachteten und die Gewö¶hnung. das ist wohl war – deshalb gibt es auch vö¶llig überschärfte Bilder die mancher noch als besonders gelungen ansieht…. (ich mags nicht) Andy” —————————————————————————————————————————————— Datum: 01.11.2004 Uhrzeit: 21:50:42 Robert Schroeder On Mon, 1 Nov 2004 18:36:54, Thomas Adelt wrote: > Oder anders: Was unterscheidet zwei gleichhoch auflö¶sende Objektive > mit unterschiedlicher Schärfe? Eigentlich hat Klaus das ja schon in ähnlichen Worten gesagt: du kannst bei beiden Objektiven gleich kleine Details gerade noch voneinander unterscheiden, die Kontrastverhältnisse an deren Grenzen werden beim schärferen” Objektiv jedoch deutlicher sichtbar. Grüße Robert” —————————————————————————————————————————————— Datum: 02.11.2004 Uhrzeit: 10:32:25 Klaus Schraeder Thomas, ich bin kein Objektivspezialist, und kann es Dir deshalb nicht besser erklären. Ich weiss jedoch, dass es bestimmte Objektive gibt, die als rattenscharf” bezeichnet werden und andere die eine hohe Auflö¶sung besitzen…und dann soll es auch welche geben die beides kö¶nnen. gruss Klaus Schraeder posted via http://oly-e.de” —————————————————————————————————————————————— Datum: 02.11.2004 Uhrzeit: 23:11:02 Thomas Adelt > Thomas, ich bin kein Objektivspezialist, und kann es Dir deshalb > nicht besser erklären. Ich weiss jedoch, dass es bestimmte > Objektive gibt, die als rattenscharf” bezeichnet werden und > andere die eine hohe Auflö¶sung besitzen…und dann soll es auch > welche geben die beides kö¶nnen. Klaus danke Dir. Wie in einem anderen Posting schon angedeutet dämmert mir langsam die Bedeutung der Schärfe 😉 Wenn man eine Optik als Tiefpass ansieht entspricht deren (ö¶rtliche) Auflö¶sung der (zeitlichen) Grenzfrequenz. Die Definition der MTF legt dies ja auch unmittelbar nahe. Die Schärfe wäre bei gleicher Analogie dann so etwas wie eine Beschreibung welcher Ordnung/Art der Tiefpass ist. Genau dieses Kriterium wirkt sich nämlich auf die (zeitliche) Flankensteilheit (= ö¶rtlicher Kontrast) aus. Hübsch! Gruß Thomas” ——————————————————————————————————————————————

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Ich bin hier der Chef.

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