Photo Essay Friedhof der Namenlosen” – Teil 4″

Datum: 04.08.2008 Uhrzeit: 8:07:53 Robert Schö¶ller Sie war ungefähr 25-30 Jahre alt, von mittlerer Grö¶ße und hatte lange dunkelbraune Locken die ihr über die Schulter herabflossen. Es war etwas feenhaftes an ihr, das durch das beige Sommerkleidchen mit den verspielten kleinen Rosen unterstrichen wurde. Als sie mich bemerkte sah sie schuldbewusst zu mir rüber, gleich als hätte ich sie bei etwas ertappt, das ihr ihre Eltern strengstens verboten hatten. Trotzdem ging sie zielstrebig in die erste Gräberreihe und hockte sich bei einem der gusseisenen Kreuze nieder. Besucht hier tatsächlich wer seine Verwandten oder Freunde? Kaum hatte ich diesen Gedanken begonnen stand sie auch schon wieder auf und ging eine Reihe weiter um sich dort bei einem anderen Kreuz niederzuknien. Etwas silbernes glitzerte in ihrer Hand als sie wieder zu mir rübersah. Ich bemerkte das ich sie wohl die ganze Zeit anstarrte und wandte mich schnell wieder meiner Kamera zu. Da die Lichtsituation schwierig war – die Gräber lagen im dunklen Schatten, jedoch blitzte die Sonne immer wieder zwischen den Kastanien durch – begann ich ein paar Belichtungsreihen anzufertigen. Sicher ist sicher. Konzentriert nahm ich eine Einstellung nach der anderen auf und als ich ihre Stimme hinter mir hö¶rte fuhr ich erschrocken rum. http://antville.cc.univie.ac.at/static/rcbloggt/images/20080729_007.jpg — LieGrü robert —————————————————————————————————————————————— Datum: 05.08.2008 Uhrzeit: 7:52:43 Robert Schö¶ller Can you take a photo of me?” sagte sie mit leichtem Akzent und hielt mir ihr glitzerndes Etwas entgeben – eine abgeschrammte alte Ixus. Als sie meinen wohl etwas verwirrten Gesichtsausdruck sah schickte sie sofort “It’s nothing grotesque!” nach. Ich murmelte etwas da sich wie “of course” anhö¶ren sollte und nahm ihr die Kamera ab. Sie stellte sich zwischen die Gräberreihen und sah mich voll glücklicher Melancholie an. Nach zwei Photos übergab ich ihr wieder die Kamera die sie gierig an sich nahm. Sie hauchte noch ein “Thank You” und drehte sich um. Wortlos stand ich eine paar Sekunden da und drehte mich dann langsam wieder zu meiner Kamera um. “It’s nothing groteque!” geisterte in meinem Kopf umher. Nein ganz im Gegenteil! Als ich mich wieder Richtung Friedhofseingang umdrehte war sie bereits verschwunden. http://antville.cc.univie.ac.at/static/rcbloggt/images/20080729_024.jpg LieGrp robert” —————————————————————————————————————————————— Datum: 11.08.2008 Uhrzeit: 14:24:09 Robert Schö¶ller It’s nothing grotesque!” klang es mir noch in den Ohren. Ich wurde wütend wütend über eine mir noch nicht richtig bewusste Dummheit. Und so begann ich – die Kamera in der Hand – die Sache zu ergründen. Was war das für ein Ort? Ein “Friedhof”. Doch ein “Gottesacker” ist ja eigentlich nicht für die Verstorbenen da! Vielmehr sind es die Hinterbliebenen die ihn zu brauchen glauben. Lassen wir mal den Leben-nach-dem-Tod-Kitsch oder das Auferstehungs-Klimbim ausser acht denn selbst wenn ich daran glauben würde wäre es mir egal ob meine sterblichen Überreste von Flammen oder von Würmern verdaut werden würde. Umso gleichgültiger wäre es mir wo dies geschieht: im frischen Waldboden im heimischen Lö¶ß oder in einem klinisch reinen Krematorium. Warum also werden bei uns – wie auch fast überall auf der Welt – die Leichen nicht einfach entsorgt wie es uns unser gesunder Menschenverstand einflüstern sollte: recyclingfähige Teile werden wiederverwendet der Rest wandert in den Sondermüll und wird platzsparend beseitigt? Weil Hinterbliebenen eben nicht vernünftig sind. Da sitz der Schmerz des Verlustes wie ein Dorn in unserem Verstand doch anstatt ihn mit einer Pinsette zu entfernen wird er gehegt und gepflegt. Kapselt sich ein und eitert still und leise unter der Oberfläche weiter. Und spätestens am 2. November jeden Jahres wird die Trauerzyste fest gerieben gezwickt und gerubbelt damit sie uns – hitzend rot und schmerzhaft pulsierend – wieder an den Verlust erinnert. http://antville.cc.univie.ac.at/static/rcbloggt/images/20080729_003.jpg LieGrü robert” —————————————————————————————————————————————— Datum: 11.08.2008 Uhrzeit: 14:24:09 Robert Schö¶ller It’s nothing grotesque!” klang es mir noch in den Ohren. Ich wurde wütend wütend über eine mir noch nicht richtig bewusste Dummheit. Und so begann ich – die Kamera in der Hand – die Sache zu ergründen. Was war das für ein Ort? Ein “Friedhof”. Doch ein “Gottesacker” ist ja eigentlich nicht für die Verstorbenen da! Vielmehr sind es die Hinterbliebenen die ihn zu brauchen glauben. Lassen wir mal den Leben-nach-dem-Tod-Kitsch oder das Auferstehungs-Klimbim ausser acht denn selbst wenn ich daran glauben würde wäre es mir egal ob meine sterblichen Überreste von Flammen oder von Würmern verdaut werden würde. Umso gleichgültiger wäre es mir wo dies geschieht: im frischen Waldboden im heimischen Lö¶ß oder in einem klinisch reinen Krematorium. Warum also werden bei uns – wie auch fast überall auf der Welt – die Leichen nicht einfach entsorgt wie es uns unser gesunder Menschenverstand einflüstern sollte: recyclingfähige Teile werden wiederverwendet der Rest wandert in den Sondermüll und wird platzsparend beseitigt? Weil Hinterbliebenen eben nicht vernünftig sind. Da sitz der Schmerz des Verlustes wie ein Dorn in unserem Verstand doch anstatt ihn mit einer Pinsette zu entfernen wird er gehegt und gepflegt. Kapselt sich ein und eitert still und leise unter der Oberfläche weiter. Und spätestens am 2. November jeden Jahres wird die Trauerzyste fest gerieben gezwickt und gerubbelt damit sie uns – hitzend rot und schmerzhaft pulsierend – wieder an den Verlust erinnert. http://antville.cc.univie.ac.at/static/rcbloggt/images/20080729_003.jpg LieGrü robert” ——————————————————————————————————————————————

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Ich bin hier der Chef.

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