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Hallo,
es ist eine Selbstverständlichkeit, daß man in diesem Land seine
Meinung frei und offen sagen kann, darf und sollte. Allerdings
sollte man seine Meinung nicht - zumindest nicht nur - aus dem
Bauch holen, sondern schon argumentativ belegen können. Wer
dagegen etwas hat, der bekäme es auch mit mir zu tun. Ich liege
mit meiner Meinung in vielen Dingen auch neben dem Mainstream,
lasse mir aber den Mund nicht verbieten.
Es geht um etwas ganz anderes.
Sarrazin ist ein Provokateur, was viele seiner Äußerungen
belegen. Wenn ein solcher Mann, in seiner Position, mit
Halbwahrheiten kommt (Teilweise haben sich seine Kronzeugen
inzwischen gegen ihre Vereinnahmung durch ihn gewehrt, und im
Faktencheck von Plasberg sieht er auch sehr schlecht aus), Thesen
und Forschungsergebnisse anführt, die er ganz offensichtlich
höchstens teilweise verstanden hat, haltlos verallgemeinert und
dumpfe Ängste bei einem Großteil der Deutschen schürt, dann ist
es bitter notwendig, ihn scharf zu kritisieren.
Was mich besonders ärgert, ist, daß die Rolle allzu vieler
Politiker - und Sarazin ist einer von ihnen - kaum thematisiert
wird. Als die - durchaus realen - Probleme entstanden sind, habe
ich von diesen Leuten nichts gehört. Heute fordert Mutti eine
tabulose Diskussion. Ironischerweise ist sie in einer Partei, die
diese notwendige Diskussion über Jahre verweigert hat. Das gilt
übrigens auch für fast alle anderen Parteien.
Und dann kommt die Bildzeitung und kocht mit dem blöden
Westerwellespruch *Es wird ja wohl noch erlaubt sein...* die
Emotionen weiter hoch - nicht um eine breite Diskussion
anzuregen, sondern um Kasse zu machen. Ich hab die Zeitung beim
Brötchenholen gesehen. Der Stapel schmolz wie Eis in der Sonne.
Als ich dann das Erlebnis - s. m. Posting - auf dem Parkplatz
hatte, haben sich bei mir endgültig die Nackenhaare gesträubt.
Jürgen
PS: Über die Art und Weise, wie jetzt mit Herrn S. umgegangen
wird, bin ich allerdings auch nicht sonderlich glücklich. Das ist
Wasser auf die Mühlen derjenigen, die jammern, man dürfe nichts
sagen. Herr S. soll von mir aus bei der Bundesbank bleiben. Ich
würde ihn in die Registratur versetzen.
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