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(c) Heinz-Guenter Hamich 12/2004
Grundsätzliches
Die Olympus E-300> verwendet erstmals einen Kodak Full-Frame-Transfer-CCD> mit 8,8 Mio. Pixeln,
von denen etwa 8 MegaPixel> für das Bild zur Verfügung stehen.
Die Kamera wiegt 580 Gramm (ohne Akku) und misst 146,5 x 85 x 64 mm (BxHxT).
Als Akku findet der bereits von anderen Olympus-Modellen bekannte BLM-1 Verwendung, der bei normalen Aufnahmesituationen (incl. Bildrückschau) mehr als 500 Bilder mit einer Aufladung ermöglicht.
Ich möchte hier nicht zu einer reinen Auflistung der technischen Details dieser Kamera kommen, da alle wichtigen Angaben dem technischen Merkblatt zu entnehmen sind, vielmehr möchte ich die vielfältigen Möglichkeiten der Olympus E-300> im Rahmen einer Gesamtbetrachtung aufzuzeigen versuchen, um dem Leser so ein über die reine Darstellung der technischen Werte hinaus umfassendes Gesamtbild zu vermitteln.
Trotzdem (oder vielleicht auch gerade deswegen) bleibt es nicht erspart, in vielen Fällen genau diese technischen Details aufzugreifen, um das Bild zu vervollständigen bzw. um die Basis für entsprechende Kommentare zu schaffen. Ich habe aus diesem Grunde versucht, den ganzen Themenkomplex in Rubriken aufzuteilen, die eine schnelle und relativ genaue Übersicht schaffen können.
Diesen Rubriken ist dann mein aus der Benutzung resultierender Eindruck angegliedert bzw. eingefügt.
Aufnahmemodi
- P (Programmautomatik) mit Shiftfunktion (kein Shift bei Verwendung eines Blitzes)
- A (Zeitautomatik)
- S (Blendenautomatik)
- M (Manuell)
- Portrait
- Landschaft
- Nahaufnahme
- Sport
- Nachtaufnahme
Weiterhin über die separate sogenannte Scene-Funktion> des Einstellrades folgende 14 vordefinierte Einstellmöglichkeiten:
- Landschaft
- Landschaft/Portrait
- Nacht
- Nacht mit Person im Vordergrund
- Feuerwerk
- Sonnenuntergang
- Portrait
- Hell-Ton-Bild
- Nahaufnahme
- Dokumentenaufnahme
- Museum
- Sport
- Sand und Schnee
- Kerzenlicht
Die Scene-Programme werden jeweils auf dem Kameramonitor mittels eines Beispielbildes angezeigt, dazu findet sich ein erklärender (deutscher) Text für den Einsatz des jeweiligen Programmes auf dem Monitor. Diese Lösung ist für den Anfänger ideal und kann selbst dem versierten Fotografen Sicherheit geben.
Belichtungszeiten
Die Olympus E-300> bietet Belichtungszeiten von 1/4000 Sekunde bis hin zu 30 Sekunden in den Automatik- und Manuelleinstellungen, darüber hinaus kann in der Bulb-Einstellung bis 8 Minuten belichtet werden.
Bildspeicherung: Qualitäten und Speicherzeiten
Bei der Olympus E-300> lassen sich die Bilder entweder als JPG-Datei, TIFF oder im Rohformat (RAW) abspeichern, folgende Modi sind dabei möglich:
- JPEG-SHQ (Super High Quality)
- JPEG-HQ (High Quality)
- JPEG-SQ (Super Quality)
- RAW
- RAW + SHQ
- RAW + HQ
- RAW + SQ
- TIFF
Bilder im RAW-Format haben immer 3264x2448 Pixel und eine Dateigrösse von 13,5 MB, TIFF hat ebenfalls 3264x2448 Bildpunkte bei einer Dateigrösse von 23,3 MB.
JPEG-SHQ kennt ebenfalls nur die volle Auflösung und komprimiert mit 1:2,7 (ca. 6,1 MB).
JPEG-HQ arbeitet auch mit voller Auflösung, komprimiert aber wahlweise in 1:4 und 1:8, daraus ergeben sich Dateigrössen von ca. 4,3 bzw. ca. 1,9 MB.
JPEG-SQ lässt sich variieren in 6 Stufen bis hinunter zu 640 x 480 Pixel in Verbindung mit allen drei vorgenannten Komprimierungsstufen.
Der kamerainterne Pufferspeicher lässt in RAW maximal vier Folgeaufnahmen zu, das Gleiche gilt für SHQ. Bereits nach der ersten Aufnahme schreibt die Kamera auf die Karte.
Bei den niedriger auflösenden bzw. höher komprimierten Einstellungen passen entsprechend mehr Bilder in den Pufferspeicher. Dies führt letztendlich in der Praxis dazu, dass bei niedrigster Auflösung in SQ die Kamera ohne Unterbrechung mit kontinuierlich 2,5 fps (frames per second, Bilder/Sekunde) so lange auf die Karte schreibt, bis diese voll ist.
Alle anderen Einstellungen führen zu Zwischenwerten, so sind beispielsweise bei HQ und voller Auflösung mit Komprimierung 1:8 bis zu 12 Aufnahmen in Folge möglich.
In diesem Zusammenhang ist noch von Praxisbedeutung, dass die Kamera bereits ab Beendigung des Schreibvorganges für das erste Bild wieder aufnahmebereit ist, also sehr schnell die nächsten Schüsse wieder zulässt. Das Abspeichern einer 4er-Sequenz auf eine schnelle Transcend 45x CompactFlash-Karte dauert bei voller SHQ-Auflösung etwa 7 Sekunden ab Erstauslösung (die aber nicht abgewartet werden müssen, da die Kamera nach etwa eineinhalb Sekunden bereits die nächste Aufnahme zulässt).
Sucher
Der Sucher - in der Olympus E-300> als Porro-Prisma konzipiert - zeigt ca. 94% des realen Bildfeldes. Der Einblick ist auch für Brillenträger geeignet, eine Dioptrienkorrektur ist vorhanden von -3 bis +1 Dioptrin.
Die Sucheranzeigen befinden sich rechts neben dem Sucherbild und zeigen alle relevanten Daten mit Ausnahme der ISO-Einstellung und der Pufferspeicherangabe.
Die Beschränkung auf nur 94% ist sicher nicht optimal, aber in dieser Kameraklasse absolut üblich. Wer bildgestaltend fotografiert, muss sich mit dieser kameraseitigen Vorgabe zu arrangieren wissen, für die schnelle Erinnerungsfotografie kann die Reduktion auf 94% aber auch durchaus Vorteile haben, da sie hilft, das Abschneiden von Köpfen und/oder Füssen im Bild zu vermeiden :-)
Als sehr gewöhnungsbedürftig empfinde ich die Anordnung der Sucheranzeigen rechts neben dem Sucherbild, da ein Umlenken des Auges auf diese Anzeigen notwendig ist. Das schnelle Erfassen des Bildinhaltes und der angezeigten Aufnahmeparameter mit einem Blick gelingt mir nicht. Hier halte ich die klassische Anordnung der Informationen unter dem Sucherbild für deutlich besser.
Die Sucherhelligkeit dagegen gibt keinen Anlass zur Kritik. Der Sucher ist nur geringfügig dunkler als der der Olympus E-1> und zeigt im Klassenvergleich mit den Kameras anderer Hersteller keinen Nachteil.
Die andernorts manchmal zu lesende Kritik am angeblich zu dunklen Sucherbild führe ich auf die Verwendung lichtschwacher Optiken zurück (so beispielsweise dem Kitobjektiv Zuiko Digital 3,5-5,6 14-45mm>), die ja nunmal weniger Licht auf den Spiegel fallen lassen.
Monitor
Die Olympus E-300> hat einen 1,8\"-Monitor mit 134.000 Pixeln, dies ist klassenüblich.
Dieser Monitor ist in Ermangelung eines Status-Displays auf der Kameraoberseite auch für die Anzeigen zu den diversen Einstellungsparametern zuständig.
Er zeigt in relativ dezenter blauer Farbe folgende Informationen permanent an (lässt sich durch Drücken der \"Info\"-Taste aber auch abschalten):
- Belichtungszeit
- Blende
- gewählte Belichtungseinstellung (P,A,S,M)
- Belichtungsmodus (integral, ESP oder Spot 2%)
- eingestellten Belichtungskorrekturwert ( bis +/-5)
- eingestellten Blitzmodus
- Fokussiereinstellung (S-AF, C-AF, M und S-AF+M)
- Aufnahmefrequenz (Einzelbild, Serienbild 2,5 fps oder Selbstauslöser 2 oder 12 Sek)
- eingestellte Bildqualität
- ISO-Einstellung (100 bis 400 bzw. nach Aktivierung im Menu 100 bis 1600)
- Weissabgleich (Weissbalance, WB)
- eingestellten Arbeitsfarbraum (sRGB oder AdobeRGB)
- Korrekturen an der Kameragrundeinstellung (Schärfe, Kontrast etc.)
- Anzahl der mit der eingesetzten CF-Karte verbleibenden Aufnahmen.
Der Monitor ist ein Hyper-Cristal-LCD>, das sich per Menue in der Helligkeit extrem anpassen lässt. Nach meinen Beobachtungen ist sowohl die Ablesbarkeit der Parameteranzeige wie die Möglichkeit der Bildbetrachtung auch bei Sonnenlicht sehr gut gegeben.
Bei Antippen des Auslösers erlischt der Monitor, um eine Überstrahlung des an das Sucherokular geführten Auges zu vermeiden.
Einstellungen
Weissabgleich (Weissbalance, WB):> Die Kamera stellt die Positionen Auto, 3000, 3600, 4000, 4500, 6600 sowie Sonne 5300, bewölkt 6000 sowie Schatten 7500 Kelvin zur Verfügung. Die Einstellung erfolgt schnell und unkompliziert durch Drücken der \"WB\"-Taste und Auswahl des gewünschten Wertes per Drehrad.
Darüber hinaus sind eigene Werte in vier Nutzerprofilen abspeicherbar, diese so gefundenen Werte können per Feinkorrektur getunt/exakt angepasst werden - dies ist ein ganz klar professionelles Feature.
Der manuelle Weissabgleich ist sehr schnell und praxisgerecht anwählbar.
Schärfe:> die interne Bildschärfung kann im Bereich von -2 bis +2 beeinflusst werden. Nach meinem Empfinden empfiehlt sich hier der Wert +1.
Kontrast:> Wie die Schärfe auch, kann zwischen -2 und +2 gewählt werden, die Nullstellung dürfte optimal sein.
Farbsättigung:> Einstellung ebenso zwischen -2 und +2, mein Farbempfinden findet -1 als angenehm.
Beindruck:> Richtig, kein Schreibfehler, steht so im Menue und meint "Bildeindruck". Hier lassen sich drei Einstellungen anwählen, die für einen normalen, einen generell helleren oder einen generell dunkleren Bildeindruck sorgen (unabhängig von der EV-Verstellung).
EV-Verstellung:> Gezielte Unter- bzw. Überbelichtungen sind im Bereich von minus 5 bis plus 5 in wählbaren Schritten zu 1/3 LW, 1/2 LW und 1 LW wählbar. Dies ist eine aussergewöhnlich weite Verstellmöglichkeit für eine Kamera dieser Klasse, sie reicht wie so manch anderer Wert weit über die Consumerklasse hinaus.
Autofokus (AF):> Single-AF, Continuous-AF und Single-AF mit manueller Eingriffsmöglichkeit bei angedrücktem Auslöser. Dies sind bekannte Features aus der Olympus E-1>.
Rauschunterdrückung:> Diese sollte laut Empfehlung des Herstellers bei Belichtungszeiten oberhalb von 30 Sekunden im Menue angewählt werden. Die Rauschunterdrückung führt in der Praxis pro Bild durch die damit einhergehende Dark-Frame-Subtraktion (bei geschlossenem Verschluss wird eine zweite Aufnahme gemacht) zu einer in etwa doppelt so langen Bildverarbeitungszeit in der Kamera. Bei einigen Scene-Programmen ist sie auch bei im Menue ausgeschalteter Funktion automatisch aktiviert (Nachtmodi).
Belichtungsmessmodi:> ESP, Integral und Spot mit 2% des Bildfeldes, begrenzt exakt auf das mittige AF-Feld.
Blitz:> Eingebauter Blitz mit Leitzahl 13. Der Blitz klappt recht weit nach oben heraus und vermeidet so weitgehend rote Augen.
Seine Reichweite liegt nach erster Überprüfung bei ISO 100 und Blende 3,5 bei etwa 8 bis 10 Metern, also für viele Alltagsfälle absolut ausreichend.
Die Ausleuchtung ist bis hinunter zu 14mm Brennweite (KB 28mm) sehr homogen, die Belichtung stimmt auf den Punkt.
Der interne Blitz ist ebenso wie jeder Externe manuell in seiner Leistung korrigierbar.
Blitzmodi: Auto, Rote-Augen-Reduktion, Langzeitsynchronisation auf den 1. oder 2. Verschlussvorhang, Rote-Augen-Reduktion plus Langzeitsynchronisation, Aufhellblitz, Aufhellblitz plus Vorblitz (Rote-Augen-Reduktion), Aufhellblitz plus Langzeitsynchronisation auf den 2. Verschlussvorhang.
Die Blitzsynchronzeit beträgt dabei bis 1/180 Sekunde.
In Verbindung mit den externen Systemblitzen Olympus FL-50> oder dem Olympus FL-36> ist Kurzzeitsynchronisation möglich.
Der Olympus FL-50> kann nicht zusammen mit dem eingebauten Blitz der Kamera betrieben werden, die Blitze Olympus FL-36> und Olympus FL-20> sind ohne Einschränkung zusammen mit dem eingebauten Blitz auslösbar und werden in dieser Kombination auch zusammen TTL gesteuert.
Der eingebaute Blitz der Kamera dient übrigens in Low-Light-Situationen auch als AF-Hilfslicht, indem er stroboskopartig Blitze zur Scharfstellung aussendet. Das von der Olympus E-1> bekannte rote AF-Hilfslicht hat die Olympus E-300> nicht.
Bracketing:> Belichtungsreihen mit den Werten 0,3; 0,7; und 1 sind ebenso möglich wie ein WB-Bracketing mit unterschiedlichen WB-Werten.
Farbeffekte:> Einstellbar im Menue ist sowohl ein Sepiaeffekt wie auch die Aufzeichnung des Bildes im Schwarzweiss-Modus.
Farbmodi:> sRGB und AdobeRGB sind als Farbraum für die Bildaufzeichnung vom Anwender vorkonfigurierbar.
Abblendtaste:> Durch per Menue belegbare Funktion kann die \"OK\"-Taste im Aufnahmemodus als Abblendtaste genutzt werden (hier sind diverse Möglichkeiten wie beispielsweise auch die Schnellwahl von Aufnahmemenues oder die Schnellumschaltung AF/MF durch Vorwahl einstellbar).
Bildwiedergabe
Der 1,8-Zoll-Monitor der Olympus E-300 gibt je nach Einstellung der Menue-Grundparameter das aufgenommene Bild entweder nicht oder für 5 bzw. 20 Sekunden wieder (die Kamera kehrt auch im Wiedergabemodus beim Andrücken des Auslösers sofort in die Aufnahmebereitschaft zurück).
Das wiedergegebene Bild ist über die per Drehrad anwählbare Lupenfunktion bis zu 10-fach vergrösserbar, der Bildausschnitt ist variabel und dabei in alle Richtungen verschiebbar.
Die Weiterschaltung ist von Bild zu Bild oder aber in 10er-Schritten möglich, um Bilder schnell zu überspringen.
Die Darstellung kann als Einzelbild oder als Index zu 4, 9 oder 16 Bildern je Bildschirmseite erfolgen.
Zusätzlich zum Wiedergabebild können folgende technischen Informationen wahlweise eingeblendet werden:
- nur Bild
- Bild mit Dateinummer
- Bild mit Dateinummer, Aufnahmezeit und Qualitätsparametern
- Bild mit allen aufnahmebezogenen Informationen wie Verschlusszeit, Blende, ISO etc.
- Bild mit Darstellung der Spitzlichter (professionelles Feature)
- Bild mit Histogrammanzeige (zur Beurteilung der Helligkeitsverteilung)
Die Bildwiedergabe erfolgt sehr schnell ohne erkennbare Verzögerung durch Rechenzeiten, selbst beim Durchblättern der Aufnahmedateien kommt es zu keinerlei Zeitversatz. Die Bilddateien werden - im Gegensatz zu vielen anderen Digital-SLRs - sofort in voller Bildschirmauflösung angezeigt. Ich halte dies für einen sehr grossen Vorteil dieser Kamera.
Die Bildwiedergabe ist sehr brillant und nahezu farbrichtig (leicht warme Eintönung).
Die Olympus E-300 ist zudem PictBridge-fähig, somit kann auch eine Bildausgabe auf einen PictBridge-kompatiblen Drucker erfolgen, ohne dabei einen PC bemühen zu müssen - eine Verbindung über den USB-Anschluss reicht dazu aus.
Kamerahandling und -feeling
Trotz ihres geringen Gewichtes und ihrer relativ kleinen Abmessungen liegt die Olympus E-300> gut in der Hand, die Belederung im Griffbereich ist rutschhemmend griffsympathisch. Die Hand schmiegt sich rund um den Griff und findet zusätzlich an einem auf der Vorderseite angebrachten kleinen Wulst Halt.
Der Zeigefinger liegt dabei exakt über dem Auslöser, der Daumen befindet sich rückseitig exakt in der Mitte zwischen Blitztaste und AEL-Speichertaste, also in optimaler Position.
Für sehr grosse Hände kann die Kamera durchaus den optional erhältlichen Hochformatauslöser vertragen, der zudem zwei Akkus aufnimmt.
Olympus-typisch sind alle Bedienelemente griffgünstig untergebracht, das Schnelleinstellrad läuft ebenso exakt wie das Programmrad sauber in seinen Positionen einrastet.
Alle wichtigen Bedienschritte erklären sich praktisch von selbst, auch ohne Studium der Bedienungsanleitung sind zumindest die Grundfunktionen problemlos durchführbar.
Die Kamera ist äusserst sauber und wertig verarbeitet (ebenfalls Olympus-typisch), die Spaltmasse stimmen selbst beim eingebauten Blitz, die Verriegelung des Akkufaches schliesst exakt und ohne Fummelei. Die Klappe des Kartenfaches ist jedoch nur durch einfaches Einrasten gesichert, dies ist gegenüber der Olympus E-1> sicher ein Qualitätsabstrich. Die Funktion ist jedoch gewährleistet, auch hier schliesst die Klappe dicht und einwandfrei. Der Kartenauswurf erfolgt durch einen versenkten Hebel, der mit Federmechanismus versehen ist und äusserst praxisgerecht (ohne Knickgelenk wie bei vielen anderen Fabrikaten) funktioniert.
Das Gehäuse in seiner Gesamtheit vermittelt das Gefühl sehr hoher Wertigkeit, ein Knarzen oder Plastikfeeling wie bei manch anderer Digi-SLR kommt bei der E-300> nicht ansatzweise ins Spiel.
Noch ein paar Informationen zu den Handlingzeiten:
Einschalten der Kamera bis Betriebsbereitschaft erstes Bild (incl. Sensorreinigung): weniger als 2 Sekunden.
Erwecken der Kamera aus dem Ruhemodus durch Antippen des Auslösers bis Bildaufnahmebereitschaft: etwa 1 Sekunde.
Auslöseverzögerung: nicht messbar nach der Fokussierung (professionell schnell).
Wiedergabe des aufgenommenen Bildes nach Druck auf die Wiedergabetaste: keine Verzögerung, Bild kommt sofort.
Weiterschaltung von Bild zu Bild: ohne Verzögerung.
Autofokus
Der Autofokus der Olympus E-300> arbeitet mit drei AF-Sensoren, von denen der mittlere ein Kreuzsensor ist (analog zur Olympus E-1>).
Die Kamera entscheidet je nach Motivsituation, welcher der drei Sensoren zur Berechnung der Entfernung herangezogen wird. Im Sucher erfolgt durch eine rote Leuchtdiode (direkt dem jeweiligen Sensor zugeordnet) die entsprechende Anzeige.
Jeder der drei Sensoren kann manuell vom Benutzer angewählt und eingestellt werden, hierzu verfügt die Kamera über eine Schnelleinstellfunktion.
Die Geschwindigkeit des AF ist abhängig von der verwendeten Optik, sie entspricht in etwa dem Mittelmass der in dieser Kameraklasse verwendeten AF-Systeme.
Im direkten Vergleich zur Olympus E-1> ist der E-300> in etwa die gleiche AF-Geschwindigkeit zu attestieren, die bei normalen Beleuchtungssituationen mehr als ausreichend schnell ist, in extremen Low-Light-Situationen aber an ihre Grenzen stösst.
Der S-AF ist bei schlechter Motivbeleuchtung sicherer und schneller, der C-AF steigt deutlich früher aus - weitestegehend ähnlich den Verhältnissen bei der Olympus E-1>.
Die über den Blitz vorhandene AF-Hilfsbeleuchtung stellt im Vergleich zum Rotlicht der E-1> jedoch einen massiven Vorteil dar, die E-300> ist unter Zuhilfenahme dieser Funktion in der Lage, auch bei widrigen Lichtverhältnissen noch auf Entfernungen bis über 10 Meter schnell und zuverlässig scharfzustellen.
Der AF-Funktionsbereich der Olympus E-300> liegt übrigens bei EV 0-19, wobei 0 offenbar nur im S-AF erreicht wird.
Im Gebrauch bei unterschiedlichen Normallichtsituationen zeigt sich die Olympus E-300> - ebenso wie die E-1> - allen Anforderungen gewachsen, vor allem stellt der Autofokus in Verbindung mit den Olympus Zuiko Digitalobjektiven> sehr präzise auf den Punkt scharf.
Belichtung
Die diversen Programmmodi wie aber auch die drei Belichtungsmessarten der Olympus E-300> sichern rundum sehr gute Ergebnisse (hier muss betont werden, dass das Vorhandensein einer Spotmessung sehr grosse Vorteile in einigen Situationen bietet - ein Feature, das noch nicht einmal eine Canon 20D aufweist).
Die grundsätzliche Belichtung erscheint mir mit einer ganz leichten Tendenz zur Unterbelichtung (etwa 1/3 Blende), die Einstellung eines entsprechenden Korrekturwertes bringt bei meiner Kamera ein ausgewogenes Verhältnis.
Wie schon von der Olympus E-1> gewohnt, arbeitet die Belichtungsautomatik auch in unterschiedlichsten Situationen zuverlässig, generell bevorzuge ich aufgrund der höheren Praxistauglichkeit die Einstellungen \"Integral\" (mittenbetonte Messung) und - bei Bedarf - \"Spot\".
Die Zusammenarbeit der Kamera sowohl mit dem internen Blitz wie auch mit dem externen Olympus FL-50> bleibt ohne jeden Ansatz zur Kritik.
Bildqualität und Rauschen
Das "Verpacken" von weit mehr als 8 Millionen Pixel (nahezu 9 Millionen sind es ja) auf einen 4/3 Zoll-Sensor bringt erwartungsgemäss einige Aufgaben für die Entwickler mit sich (unsere Spezialisten hier im Forum können zu den technischen Entwicklungshintergründen wesentlich mehr sagen als ich).
Fakt ist jedoch, dass immer mehr Pixel auf einem logischerweise gleichbleibend kleinen Sensor dazu führen, dass das Einzelpixel kleiner wird, damit das Signal-Rauschverhältnis als entscheidendem Faktor für das Rauschen des Bildergebnisses ungünstiger wird.
Nun haben Entwicklungen der letzten Zeit bei anderen Kameras gezeigt, dass dem in einem weiten Masse durch den Einsatz moderner Techniken im Rahmen der Bildverarbeitung in der Kamera entgegnet werden kann.
Obwohl natürlich eine ganze Reihe von Beobachtern der laufenden Entwicklung von Vornherein argwöhnten, bei einer Kamera mit 8 Millionen - oder mehr - Pixeln müsse bei gleichbleibender Sensorfläche das Rauschen grösser werden als bei einer Kamera mit \"nur\" 5 Millionen Pixeln, stellt sich die Frage in der Praxis jedoch jetzt mit Erscheinen der Olympus E-300> aufs Neue.
Was haben also die Entwickler sowohl bei Kodak (von denen der CCD-Sensor ja kommt) wie auch Olympus diesbezüglich geleistet?
Fangen wir mit dem Rauschen an:
Ja, es ist da und bei allen ISO-Einstellungen bei akribischem Hinschauen auch sichtbar. Ohne jeden Zweifel - aber auch nicht mehr (eher weniger) als bei einer 4 MegaPixel-Profi-Nikon-D2H.
Bei ISO 100, ISO 200 und auch noch bei ISO 400 hält sich das Farbrauschen im Bild auf einem sehr niedrigen Niveau (bis ISO 400 natürlich ansteigend). Im erweiterten Modus bei ISO 800 und ISO 1600 ist konsequenterweise eine nochmalige Steigerung festzustellen (siehe dazu auch die Beispielbilder).
In der Summe ist das bei der Olympus E-300> zu attestierende Rauschen jedoch deutlich niedriger, als ich es erwartet habe. Selbst ISO 1600-Aufnahmen sind noch sehr gut nutzbar, wären auch als Pressebild ohne Probleme verkaufbar.
Ich sass nach den ersten ISO 1600-Aufnahmen erstaunt vor meinem Monitor, da ich wesentlich schlechtere Ergebnisse erwartet hatte, musste mehrfach bei einer ganzen Reihe von Bildern in die Dateiinformationen schauen, um zu glauben, dass es wirklich ISO 1600 sind.
Diejenigen, die mich kennen, wissen, dass ich praktisch täglich mit solchen Dateien im Rahmen meiner Eventfotografiererei arbeite und sind dann sicher auch in der Lage, ein derartiges Erstaunen von mir nachzuvollziehen.
Ich muss und kann der Olympus E-300> durchaus attestieren, dass sie eventtauglich ist.
Die Bilder wurden mit der von mir weiterhin präferierten Kodak-Entrauschungssoftware (Kodak Professional GEM) im Modus \"Grain Reduction\" bearbeitet (Einstellungen: 100% Entrauschung, 50% Detailempfindlichkeit und 21% Schärfung) und kommen damit auf ein wirklich gutes Niveau.
Die Testbilder:
Die Gesamtszene der Nachtaufnahme im Überblick (450x600, 118 KB)
Olympus E-300 bei ISO 800, unbehandelt (1552x2080, 523 KB)
Olympus E-300 bei ISO 800, entrauscht (1552x2080, 435 KB)
Olympus E-300 bei ISO 1600, unbehandelt (1474x2051, 736 KB)
Olympus E-300 bei ISO 1600, entrauscht (1474x2051, 509 KB)
Olympus E-1 bei ISO 800, unbehandelt (1146x1617, 377 KB)
Olympus E-1 bei ISO 800, entrauscht (1146x1617, 308 KB)
Olympus E-1 bei ISO 1600, unbehandelt (1172x1719, 569 KB)
Olympus E-1 bei ISO 1600, entrauscht (1172x1719, 381 KB)
Die Nachtaufnahmen entstanden jeweils in der Einstellung SHQ, als Objektiv kam das Olympus Zuiko Digital 14-54mm> zur Verwendung. Anschliessend Abspeicherung in Photoshop mit JPEG 8.
Hier darf jedoch eine Eigenart des Kodak-Chips nicht unterschlagen werden: Bereits bei der auf der Nikon F5 basierenden Kodak-Digital-SLR namens 720x mit zwei Millionen Pixel - und einem CCD-Bildaufnahmesensor praktisch gleicher Bauart - war im High-ISO-Bereich eine Teil-Gelblastigkeit des Bildes festzustellen. Dies führte damals zu einem Ausflocken von Bildteilen in Richtung Gelb. Bei Werten oberhalb von ISO 4000 waren die Bilder in vielen Situationen nur noch durch Wandlung in Schwarzweiss zu gebrauchen.
Die Olympus E-300> zeigt dieses Phänomen zwar in deutlich geringerem Masse (vielen oberflächlichen Betrachtern wird es vielleicht nicht auffallen), aber auch hier ist bei ISO 1600 eine Tendenz in rein weissen Flächen zu einem Gelbton hin zu erkennen, reissen gelbe Flächen zudem aus der Homogenität heraus auf.
Dies macht sich in vielen Bildern sicher nicht bemerkbar, zeigt sich auch erst in Vergrösserungen ab etwa 100 Prozent am Bildschirm, soll jedoch nicht verschwiegen werden. Die Testbilder mit ISO 800 und inbesondere mit ISO 1600 verdeutlichen dieses \"Phänomen\" recht klar, da hier bewusst eine diesbezueglich kritische Beleuchtungssituation von mir gewählt wurde.
Die Praxis hat gezeigt, dass speziell bei ISO 1600 die bereits erwähnte Kodak-Software "Professional GEM" die Inhomogenität des Gelbtones nicht richtig in den Griff bekommt. Wer sehr viel in diesem Empfindlichkeitsbereich fotografiert, sollte einen Versuch mit dem Entrauschungstool "Noiseware Professional Edition" der Firma "Imagenomic" unternehmen. Bei dieser Anwendung verschmelzen die gelben Flächen homogen, man läuft jedoch (je nach Einstellung der Parameter) relativ schnell Gefahr, einen wassermalfarb-ähnlichen Effekt im Bild zu bekommen.
In diesem Zusammenhang muss jedoch der Fairness halber auch angemerkt werden, dass die Olympus E-300> nicht als professionelle Kamera konzipiert ist, die einer solch intensiven Betrachtung Stand halten müsste. Im Umgang mit der Kamera wird auch der engagierte Hobbyfotograf derartiges nicht oder nur in seltensen Fällen feststellen. Da die Kamera - obwohl von Olympus auch aufgrund ihres Preises anders positioniert - auch gewisse professionelle Ansprüche zu befriedigen in der Lage ist, sehe ich es als richtig an, auf einen derartigen "Nachteil" hinzuweisen.
Die von Kodak/Olympus kameraintern verwendeten Entrauschungsalgorithmen führen in der Summe ihrer Eigenschaften zu erstaunlich guten Ergebnissen. Dies geht in den JPEG-komprimierten Bildern jedoch etwas zu Lasten der eigentlich sehr hohen Auflösung.
Die RAW-Dateien weisen einen erkennbar höheren Detailumfang auf, liegen mit den Mitbewerbern im Segment oberhalb von 6 Millionen Pixeln nach meinen Ergebnissen absolut gleichauf.
JPEG-komprimierte Bilder jedoch zeigen - vermutlich durch die Entrauschung bedingt - in nahezu gleichfarbigen Farbflächen (beispielsweise weit entfernte Baumgruppen bilden ein Grün, das nur durch Aststrukturen unterbrochen wird) die Tendenz, das Ganze zu einer Farbfläche zu verschmelzen. Obwohl auch bei niedriger Kompressionsrate der Erhalt dieser Feinststrukturen beispielsweise bei der Olympus E-1> noch vorhanden ist, gehen sie bei der Olympus E-300> in solchen Fällen etwas verloren. Am Bildschirm zeigt sich dies bei Vergrösserungen ab 200 Prozent aufwärts.
RAW arbeitet hier erkennbar sauberer, detailgenauer und bringt das sehr hohe Auflösungspotential der Olympus E-300> deutlich besser zur Geltung. Zudem führt eine Nachbearbeitung der RAW-Dateien mit dem vorgenannten Kodak-Tool zu letztendlich ebenso gut entrauschten Ergebnissen bei besserem Erhalt der Feinststrukturen.
Der Dynamikumfang der Olympus E-300> liegt nach meinem Dafürhalten (siehe auch Belegbilder) in etwa auf einem Niveau mit der diesbezüglich auch sehr guten Olympus E-1>, zeigt deutlich die Leistungsfähigkeit des Full-Frame-Transfer-CCDs>.
Die Testbilder:
Olympus E-300 Dynamikumfang bei ISO 100, unbehandelt (3192x2369, 1262 KB)
Olympus E-1 Dynamikumfang bei ISO 100, unbehandelt (2560x1920, 748 KB)
Die Bilder entstanden mit dem Olympus Zuiko Digital 50-200mm> bei ISO 100 und Blende 8 in der Einstellung SHQ. Das Bild der Olympus E-300> wurde lediglich geradegerückt. Abspeicherung in Photoshop mit JPEG 8.
Die Schärfe der aus der Kamera kommenden Bilddateien ist erstaunlich gut und demonstriert das Leistungsvermögen moderner CCD-Sensoren auch im Vergleich zu den oft zum Einsatz kommenden (preisgünstiger zu produzierenden) CMOS-Chips.
Ich ganz persönlich konnte mich schon in der Vergangenheit immer wieder an der Schärfe meiner CCD-Chip-Canon 1D freuen, die im Gegensatz zu ihrer Nachfolgerin mit CMOS-Chip deutlich schärfere, knackigere Bilder ab Kamera lieferte. Der 8 MegaPixel CCD der Olympus E-300> zeigt diesen Vorteil der chipbedingten CCD-"Knackschärfe" sehr deutlich. Optiken wie das Olympus Zuiko Digital 50-200mm>, das Zuiko Digital 50er Makro> oder das Zuiko 2,0/150mm> Teleobjektiv laufen an dieser Kamera zur Höchstform auf.
Nun zu einem absoluten Highlight> der Olympus E-300> (das ja inzwischen schon ein Olympus-Merkmal ist): die Farbwiedergabe>.
Die Ergebnisse lassen sich eigentlich mit einem einzigen Wort zusammenfassen: überragend!!!>
Satte, saubere Farben, reines Weiss, brillantes Rot und leuchtendes Blau und Grün. Farben, die das Herz eines jeden Diafotografen höher schlagen lassen. Farben, die ganz einfach überzeugen, strahlen, das Auge anlachen.
Die brillanten Farben werden auch von den folgenden Aufnahmen gut belegt, die wiederum in verschiedenen ISO-Stufen angefertigt wurden. Auch bei Tagaufnahmen können höhere Empfindlichkeiten Sinn machen, wenn z.B. bei Sportaufnahmen in jedem Falle eine möglichst kurze Belichtungszeit erreicht werden soll:
Olympus E-300 bei ISO 100, unbearbeitet (2000x1500, 652 KB)
Olympus E-300 bei ISO 800, unbearbeitet (2000x1500, 717 KB)
Olympus E-300 bei ISO 1600, unbearbeitet (2000x1500, 948 KB)
Bei diesen Aufnahmen kam das Olympus Zuiko 2,0 150mm Objektiv> zum Einsatz. Auch diese Aufnahmen wurden in SHQ angefertigt, anschliessend in Photoshop auf JPEG 8 komprimiert. Bei Tageslicht zeigt sich, dass ISO 1600 durchaus sehr gut verwendbar ist.
Fazit
Die Olympus E-300> ist eine erstaunliche Kamera, die deutlich über ihre Positionierung im Consumermarkt hinaus Features aufweist, die sie selbst in Teilbereichen der professionellen Fotografie einsetzbar macht.
Sie ist ein Werkzeug, das in weiten Bereichen alle Anforderungen der Fotografie abdeckt und Einstell- und Korrekturmöglichkeiten aufweist, die in ihrer Klasse als ungewöhnlich zu gelten haben.
Eine Kamera, die für etwa 950,- EUR (Stand 12/2004) im Set mit dem Kitobjektiv Olympus Zuiko Digital 14-45mm> keine mir bekannte Konkurrenz im Markt hat.
Unter Berücksichtigung aller vorgenannten Vor- und Nachteile daher: Sehr empfehlenswert>.
Nachsatz zum Praxisbericht Olympus E-300
Da mich derzeit immer wieder Mails mit der Frage nach den optimalen Kameraeinstellungen erreichen (insbesondere bezüglich der Vorwahl der Bildaufzeichnung), hier noch einige Ergänzungen, die auch das Thema "Rauschen" ansprechen.
Sowohl die Olympus Studio-Software 1.2. wie auch der Photoshop RAW-Konverter 2.4b gestatten die Konvertierung/Entwicklung von mit der Kamera aufgenommenen RAW-Dateien. Bekanntermassen können im Rahmen dieser Wandlung vom RAW-Format bildwichtige Parameter wie Weissabgleich, Schärfe, Tonwert etc. weitgehend beeinflusst und den Wünschen des Fotografen bzw. den sich aus der Aufnahmesituation und dem Kameraverhalten ergebenden Notwendigkeiten angepasst werden.
Wie schon im Praxisbericht selbst und/oder diversen Postings zur Kamera von mir erläutert, weist die kamerainterne JPEG-Engine durch die integrierte Rauschminderung in allen JPEG-Qualitätseinstellungen einige Besonderheiten auf. So wird - am Bildschirm erkennbar - die Auflösung feinster, im Bild enthaltener Details vermindert, Feinststrukturen haben die Tendenz, sich flächig wirkend zu verändern. Dies ist zum Einen schon auf die - zwar moderate, aber doch logischerweise vorhandene - Komprimierung auf JPEG zurueckzuführen, andererseits greift aber die Entrauschung auch schon bei 100 ISO nach meinem Dafürhalten etwas zu stark sichtbar in das Bildergebnis ein.
Am Beispiel "SHQ" ist das Ergebnis ein Bild, das trotz der 8 Millionen Bildpunkte der Kamera nur wenig über dem vergleichbarer 6-Millionen-Pixel-Kameras liegt. Zudem weist die Kamera in allen JPEG-Einstellungen ein aufgesteiltes Kontrastverhalten auf, das auf den ersten Blick zu "schärferen" Bildern führt. Dies mag den Wünschen vieler Consumer nach direkt aus der Kamera verwendbaren Bildern ohne jede Notwendigkeit der Nachbearbeitung per EBV entgegenkommen. Es führt aber gleichzeitig dazu, dass der offensichtlich trotz der 8 Millionen Pixel noch vorhandene, hohe Dynamikpegel der Kamera in der Ausgabe eingeschränkt wird. Schatten laufen in Anbetracht der von der Kamera gewählten Vorgehensweise - auch in Nullstellung des Kontrastreglers - eher zu, Lichter zeigen gleichzeitig relativ früh eine Tendenz zum Ausfressen (früher, als man dies beispielsweise von der Olympus E-1 her kennt).
Diesem Verhalten lässt sich in den JPEG-komprimierten Bildern durch Zurücknahme der Kontrasteinstellung auf Minuswerte etwas entgegenwirken.
In der Praxis hat sich jedoch gezeigt, dass allen diesbezüglichen Problemen auf sehr einfache Art und Weise begegnet werden kann, nämlich durch Umstellung der Kamera auf das "RAW"-Format als Abspeichervorgabe (im Menue auch kombinierbar als RAW + SHQ, um sofort verarbeitbare Dateien zusätzlich zur Verfügung zu haben).
RAW zeigt ein wesentlich milderes Kontrastverhalten, bringt deutlich mehr Dynamik in die Ausgabedatei (in erster Linie hier mit Adobe-Software getestet). Schatten werden erkennbar besser durchgezeichnet, Lichter behalten in grösserem Masse ihre Details. Durch den mit diesem Format einhergehenden Verzicht auf Komprimierung und insbesondere Entrauschung ist das zur Bearbeitung zur Verfügung stehende Bild erheblich detailreicher und steht nun auf einem Niveau mit anderen, im Markt erhältlichen 8-Megapixel-Kameras der DSLR-Klasse (braucht jedoch ebenso wie diese logischerweise eine nachträgliche Anpassung der Schärfe per EBV).
Der Wegfall der kamerinternen Entrauschung führt insbesondere bei Bildern der Empfindlichkeitsklasse ISO 800 und ISO 1600 zu einem gänzlich anderen (feineren, filmähnlicherem) Rauschen, das die von mir bei den JPEG-Bildern aufgezeigte Gelb-Ausflockung sowie die generelle Tendenz zur Gelb-Lastigkeit nicht mehr in kritisierbarem Masse zeigt.
Das Rauschen der aus RAW entwickelten Dateien lässt sich insbesondere bei ISO 1600 beispielsweise mit dem Kodak-Tool "Digital GEM Professional" oder - deutlich besser noch (!) - mit "Noiseware Professional" auf ein Niveau drücken, das bei weitgehendem Erhalt der Detailschärfe dem klassenüblichen Niveau anderer Kameras dieses Segmentes nun durchaus entspricht. Derart bearbeitete - aus RAW kommende - Dateien weisen einen erheblichen Qualitätsvorteil gegenueber den aus JPEG weiterverarbeiteten Bildern auf, sind homogener und trotzdem detailreicher.
Olympus hat mit dieser hier gewählten Vorgehensweise einen Schritt getan, der in seinen Auswirkungen eigentlich bemerkenswert ist. In den für Einsteiger oder reine Seltennutzer (die keine EBV-Ambitionen haben und deren Bilder in erster Linie kleinformatige Erinnerungen darstellen sollen) sinnvollen Einstellungen "SHQ" und "HQ" liefert die Kamera direkt ausdruckbare Bilder mit hohen Kontrasten, passender Schärfe und einem auch bei 13x18-Bildern nicht oder nur wenig sichtbaren Rauschen auch in höheren ISO-Einstellungen. Also letztendlich genau das, was diese Zielgruppe in der Mehrzahl der Fälle von einer einfach zu bedienenden Kamera als gutes, rundum zufridenstellends Ergebnis erwartet.
Für alle engagierten Nutzer jedweder Couleur stellt sich die RAW-Verarbeitung - fast zwingend - als das geeignete Instrument heraus, das die Möglichkeiten der Kamera in wesentlich weiterem Masse ausreizt, höher auflösende Bilder auch für Grossvergrösserungen ermöglicht und zudem die per Nachbearbeitung veränderbaren Parameter so zu modifizieren zulässt, dass die Ergebnisse auch kritischer Betrachtung in wesentlich weiterem Masse, als dies bei JPEG möglich ist, standhalten können.
Die Verwendung von "RAW" hebt die Kamera bezueglich der von ihr erzielbaren Ergebnisse in vielerlei Hinsicht auf ein deutlich höheres Niveau.
Über den Autor dieses Testes
Heinz-Guenter Hamich ist Event- und Pressefotograf mit internationaler Erfahrung. Im Zuge seiner beruflichen Tätigkeit hat er umfangreiche Erfahrungen mit digitalen SLRs der führenden Hersteller gesammelt und darf somit durchaus als kompetenter Branchenkenner bezeichnet werden.
Wie bereits mehrfach in unseren Foren unter Beweis gestellt, ist er stets in der Lage, ohne Markenverliebtheit und unter Wahrung aller Objektivität sich den Produkten verschiedener Hersteller zu widmen und diese fair denen der Mitbewerber in diesem heiss umkämpften Markt gegenüberzustellen. (Stefan Hendricks, oly-e.de)
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